CO2-Abdruck - Weltweite Entwicklung

Anstieg von CO2-Emissionen von 1990 bis 2030

Der weltweite CO2-Ausstoß wird voraussichtlich auch in der Zukunft ansteigen. Der CO2-Fußabdruck - Welche Aussagekraft hat der CO2-Fußabdruck über unser tägliches Leben?

Der Kohlenstoffdioxid-Ausstoß eines Produkts ist maßgeblich, möchte man umweltfreundlich leben und konsumieren. Besonders im Lebensmittelbereich gibt es riesige Unterschiede; durch den Transportweg, aber auch durch andere Faktoren. Durch die internationale ISO-Norm 14067 konnten erst vor wenigen Jahren einheitliche Standards festgelegt werden, die den tatsächlichen CO2-Abdruck von zum Beispiel Konsumprodukten darstellen. Doch was macht die Ermittlung von CO2-Emissionen heute so relevant? Was wird bei der Berechnung des CO2-Fußabdrucks mit einberechnet, wie akkurat ist der Abdruck kann der Abdruck bei zufällig entnommenen, einzelnen Produkten tatsächlich sein?

Lukas Staindl

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Lukas Staindl

Krasse Unterschiede an CO2 -Emissionen durch Produktion und Transport

Fußabdruck ist nicht gleich Fußabdruck, wie die internationale Deklaration zeigt. Denn seit seiner internationalen Festlegung in ISO-Format verändert er sich immer wieder. Der ISO 14067 Stand 2018 beschreibt die entstandenen CO2-Emissionen von der Herstellung bis zum fertigen Produkt. Nicht mit inbegriffen ist etwa die Verwertung des Mülls. Gerade bei elektronischen Geräten sollte man sich hier deshalb nicht nur auf den ISO-Fußabdruck verlassen, sondern eigene Berechnungen anstellen. Bis zur Fertigstellung des Produkts werden jedoch alle anderen Emissionen einkalkuliert: Heizung von Lagerräumen, alle Produktionsschritte der Herstellung, Transport und vieles mehr.

Wie stark unterschiedlich der CO2-Ausstoß dank Globalisierung sein kann, zeigt sich schon bei den beliebtesten Obstsorten. Eine einzelne Banane schlägt etwa 70 Gramm Kohlenstoffdioxid zu Buche. Das sind pro Kilo circa 700 Gramm CO2, für die man als Konsument verantwortlich ist. Im Gegensatz dazu verursacht ein Apfel aus der Region maximal 10 Gramm CO2, was wohl das umweltfreundlichste Obst überhaupt darstellt. Kommt die gleiche Apfelsorte jedoch aus Übersee nach Deutschland, verzehnfacht sich der CO2-Ausstoß durch den Transport.

Beim Thema Fleisch verursachen selbst Tiere aus der Region weit mehr Schadstoffe als importierte Bananen aus fernen Ländern. Der Grund ist hier nicht primär das CO2, sondern auch die hohe Menge an anderen Treibhausgasen, etwa Methan. Sie werden beim CO2-Fußabdruck mit einkalkuliert. Verspeist man 500 Gramm Geflügel oder Schweinefleisch, verursacht man damit jeweils 1,8 Kilo CO2. Tierische Produkte allgemein sind Umweltsünden, allem voran die Butter mit einem CO2-Ausstoß von 24 Kilo für ein einziges Kilo Butter. Ein Kilo Magerquark verursacht mehr als 2,5 Kilo CO2 bis es am Teller landet.

Wie umweltfreundlich kann die Ernährung gestaltet werden?

Das Frühstück als wichtigste Mahlzeit für den Tag kann sehr unterschiedlich viel CO2-Emissionen ausstoßen. Als Beispiel nimmt Herr Huber täglich 250 Gramm Magerquark (0,63 kg CO2) mit 10 Gramm Honig (20g CO2) gesüßt zusammen mit 50 Gramm gebratenem Speck (90 Gramm CO2) zu sich. Das macht insgesamt 740 Gramm CO2 aus - für ein einziges Frühstück! Nimmt Herr Huber aber stattdessen 200 Gramm Haferflocken (70 Gramm CO2) als Porridge zu sich und genehmigt sich zusätzlich 100 Gramm Vollkornbrot (60 Gramm CO2) mit 10 Gramm Honig (20 Gramm CO2), kommt er gesamt auf gerade einmal 130 Gramm CO2-Ausstoß.

Welche Leitlinien sind wichtig, möchte man sich im Alltag umweltfreundlich ernähren? 

  • Weniger tierische Produkte (insbes. Butter) und Fleisch

  • Regionale Lebensmittel verursachen das geringste Level an Emissionen

  • Frisch kaufen statt aus der Tiefkühltruhe - die Aufbereitung für eine solche Haltung benötigt noch einmal signifikant CO2

Treibstoffgigant Flugzeug - Der CO2-Fußabdruck beim Flugverkehr

Flugzeuge werden mittlerweile bereits mit hohem CO2-Ausstoß assoziiert. Ungefähr 40 Millionen Flüge per anno weltweit sorgen für massiven Treibstoffausstoß - Tendenz steigend. Wie reagieren umweltbewusste Kunden und Fluglinien darauf? Mittlerweile bietet fast jede Fluglinie die Möglichkeit an, den entstandenen CO2-Ausstoß durch eine freiwillige Abgabe zu neutralisieren. Sie fließt dann an Unternehmen, die in nachhaltige Projekte, etwa Wiederaufforstung, investieren. Funktioniert das? Prinzipiell ja. Bei einem Flug von Wien nach Los Angeles werden so etwa 100 Euro fällig, bei den meisten Flügen weit weniger.

Weil die Flüge jährlich steigen (2010 gab es noch 6 Millionen Flüge weniger als 2016), kann das jedoch langfristig nicht die ultimative Lösung sein. Das unterstreicht auch der Nachhaltigkeitsforscher Rupert Baumgartner: „Es ist besser als nichts, vor allem bei unvermeidbaren Flügen. Aber es ändert auch nichts an der Struktur, die die Probleme verursacht. Letztlich kommen wir nicht um ein Mobilitätssystem herum, mit dem wir wirklich CO2 abbauen.“

Die Zukunft des Flugverkehrs - Ohne CO2-Ausstoß nicht denkbar?

Flugzeuge benötigen massiv Treibstoff und stoßen pro Flug in etwa die Hälfte des CO2-Ausstoßes eines durchschnittlichen Österreichers aus - das sind mehr als 5 Tonnen CO2. Weil gerade einmal 10 Prozent der Menschen tatsächlich am Flugverkehr teilnehmen und man von einer Steigerung in den nächsten Jahrzehnten ausgehen kann, wird offensichtlich, dass hier neue Lösungen gesucht werden müssen. Während alternative Antriebe und andere Zukunftsvisionen noch lange nicht technologisch reif sind, kann hingegen der Transport von Gütern via Flugzeug reduziert werden. Derzeit werden 50 Millionen Tonnen jährlich durch die Luft geflogen, zwei Drittel davon länderübergreifend. Setzt man auf einen Transport per LKW, kann das den Treibgasausstoß begrenzen.

Noch weniger akzeptabel als der Transport mit dem Flugzeug ist jedoch die Hochseeschifffahrt. Denn während Flugzeuge und LKWs oftmals eher neu sind und damit an höhere Umweltstandards angepasst, fahren zahlreiche Flotten mit veralteten Kähnen im Meer. Dass diese nicht nur enorm viel CO2 ausstoßen, sondern auch Schwefeloxide, Ruß, Stickoxide, Schwermetalle und Feinstaub fällt hier auch ins Gewicht. Die großen Mengen an Abfall im offenen Meer sind zum Teil auf die Hochseeschifffahrt zurückzuführen. Insgesamt bringt die Schifffahrt mindestens eine Milliarde Tonnen Kohlenstoffdioxid jährlich in die Meere.

Umweltfreundliches Verhalten als Tourist - Das macht den Unterschied

Der Tourismus ist weltweit für 8 Prozent unseres CO2-Ausstoßes verantwortlich - obwohl nur ein geringer Teil der Weltbevölkerung überhaupt Urlaub macht. Möchte man verreisen und dabei umweltfreundlich bleiben, ist das kein Widerspruch - es sollte aber auch nicht nur bei einer CO2-Kompensation für den Flug bleiben. Denn oftmals ist die An- und Abreise nicht der einzige große CO2-Ausstoßer. Die Unterkunft in privaten Apartments statt dem Hotel spart viel CO2 ein. Ganz ähnlich sieht es bei der Kulinarik aus - isst man regional, behandelt man die Umwelt am besten. Hotels mit westlichem Essen in Asien und Afrika verursachen oft eine horrende Umweltbilanz, um typisch europäische oder amerikanische Speisen am Buffet anzubieten. Das ist nicht nur umweltschädlich, sondern macht den Urlaub zumindest auf kulinarischer Ebene gleich weitaus weniger bereichernd.

Energieversorgung - Der wohl größte CO2-Faktor

In Deutschland sind beispielsweise 37 Prozent des CO2-Ausstoßes der Energieversorgung geschuldet. Gerade hier kann man leicht ansetzen, möchte man seinen CO2-Ausstoß signifikant verringern. Denn Heizung und Strom machen besonders im Privathaushalt einen riesigen Faktor beim CO2-Verbrauch aus. Auf Ökostrom zu setzen spart signifikant CO2 ein. Besonders die Heizung macht jedoch oft in der kalten Jahreszeit den größten Unterschied. Hier kann zum Beispiel ein Niedrigenergiehaus empfehlenswert sein.

Nachteile bei Niedrigenergiehäusern:

  • Beim Bau teurer, benötigt Experten für Niedrigenergiehäuser
  • Lüften kann nicht manuell erfolgen, sondern automatisch

Vorteile bei Niedrigenergiehäusern:

  • Sehr geringe Energiekosten
  • Langfristige Kostenersparnis
  • Modernes, automatisches System mit perfekter Durchlüftung
  • Geringer CO2-Ausstoß

Der CO2-Abdruck: Stärker vom individuellen Lebensstil abhängig als zuvor

Ganz egal ob es um die Urlaubsstil, die eigene Ernährung oder die Energieversorgung geht: Noch nie zuvor gab es so viel individuellen Einfluss auf den persönlichen CO2-Abdruck wie heute. Möchte man für weniger als die in Österreich durchschnittlichen 10 Tonnen CO2-Ausstoß verantwortlich sein, kann man das durch gezielt umweltfreundliches Leben leicht erreichen. Dabei muss man keinen asketischen Lebensstil führen, sondern sich vielmehr nach umweltfreundlichen und nachhaltigen Lösungen in allen Lebensbereichen orientieren.

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Lukas Staindl

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