E-Scooter in Wien: Modelle im Überblick

Wiener E-Scooter: Modelle, Branche und rechtliche Situation im Überblick 

Besonders in der Wiener Innenstadt sieht man seit geraumer Zeit an fast jeder Ecke mehrere E-Scooter stehen. Die große Anzahl der Scooter stammt hauptsächlich von drei großen Anbieter. Während die Optik sehr ähnlich ist, gibt es bei den Rollern durchaus Unterschiede. Das betrifft weniger die Preisgestaltung, mehr aber das maximale Gewicht des Fahrers und andere Faktoren. Für Menschen, die viel in der Innenstadt unterwegs sind, stellt sich aber vielmehr die Frage: Lohnt sich das neue Verkehrsmittel für die regelmäßige Nutzung? Wie viel Leistung erhält man hier für sein Geld?

Lukas Staindl

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Lukas Staindl

Sechs Anbieter in Wien

In Wien gibt es mittlerweile sechs Anbieter, die sich den Markt der elektrischen Roller teilen. Gestartet haben die vier Anbieter Bird, Lime, Tier und Wind. Im März 2019 kam “Flash” hinzu, ein Modell der deutschen gleichnamigen Firma. Flash kündigte ein neues preisliches Konzept an, dass aber dann doch ausblieb. Im April dazugekommen sind Roller der Firma “Hive”. E-Mobilität und Stromkosten sind Aspekte, bei denen die meisten Menschen wenige Orientierungspunkte haben. Die wichtigsten Aspekte der sechs Anbieter findest Du hier im Überblick:

Anbieter Lime Bird Tier Wind Flash Hive
iOS/Android App ja/ja ja/ja ja/ja ja/ja ja/ja ja/ja
Kosten (pro Fahrt/pro Minute) 1 Euro pro Fahrt, 0,15€ pro Minute 1 Euro pro Fahrt, 0,15€ pro Minute 1 Euro pro Fahrt, 0,15€ pro Minute 1 Euro pro Fahrt, 0,15€ pro Minute 1 Euro pro Fahrt, 0,15€ pro Minute 1 Euro pro Fahrt, 0,15€ pro Minute
Anzahl der Scooter in Wien 1.500 1.500 795 340 580 600
Maximalgeschw., Reichweite 24 km/h, 32 km 24 km/h, 20 km 25 km/h, 20+ km 25 km/h, 45 km 25 km/h, in bestimmten Zonen 18 km/h, 30 km 20 km/h, 40 km
Zahlmethoden Kredit-/Debitkarte Kreditkarte / Google Pay Kreditkarte Kreditkarte/PayPal Kreditkarte Kreditkarte

Ganz offensichtlich zeigt sich, dass die Anbieter Lime und Bird mit jeweils 1.500 Scootern den Markt in der Hauptstadt dominieren. Dass es bei 1.500 Modellen bleibt, ist jedoch kein Zufall. Pro Firma dürfen in Wien nicht mehr E-Scooter zugelassen werden.

Neue Regelungen an dem E-Scooter Trend

Die neue Verbreitung der E-Scooter in Wien ist nicht ohne viel Aufmerksamkeit über die Bühne gegangen. Nachdem sich wenige hundert E-Scooter schnell zu mehreren Tausend gehäuft hatten, kam es durchaus zu Kritik an den elektrischen Rollern in der Hauptstadt. Die Hauptgründe dafür sind:

  • Häufiges Herumliegen umgefallener E-Roller besonders in der Innenstadt
  • Relativ häufige Unfälle mit E-Scootern in Wien
  • Gefahr für Passanten

Neue Regelungen sollen den potenziellen Gefahren des E-Scooter-Trends entgegenwirken. Die Stadtregierung verabschiedete eine neue Regulierung, die ab Juni 2019 in Kraft treten soll. Konkret ist das die 31. Novelle der Straßenverkehrsordnung, die auch E-Scooter Regulierungen mit sich bringt. Für das Fahren mit E-Scootern gelten zukünftig ähnliche Gesetze wie für das Radfahren. E-Scooter mit einer Maximalgeschwindigkeit von 25 km/h bzw. einer Leistung von maximal 600 Watt dürfen künftig überall dort fahren, wo auch Fahrräder erlaubt sind.

Was heißt das in der Praxis für E-Scooter-Fahrer? Sie dürfen in der Zukunft nicht mehr am Gehsteig fahren. Ausnahmen gibt es nur, wenn Zonen oder Abschnitte von der Behörde als fahrbar für E-Scooter deklariert werden. Abgestellt werden darf das Modell am Gehsteig nur noch, wenn dieser mindestens 2,5 Meter breit ist. Erlaubt ist außerdem nur ein maximaler Alkoholpegel von 0,8 Promille.

Das Mindestalter für die E-Scooter beträgt 12 Jahre. Ansonsten kann man mit einem Fahrradführerschein oder in Begleitung einer Person im Alter von 16 Jahren oder älter ebenfalls fahren. Unter 12 Jahren gilt außerdem Helmpflicht. Telefonieren während dem Fahren ist ebenfalls verboten, es sei denn man nutzt eine Freisprecheinrichtung.

Nachrüsten für höhere Sicherheitsstandards

Gleichzeitig müssen mit 1. Juni alle E-Scooter gewisse Sicherheitsstandards erfüllen. Dazu gehören zum Beispiel Reflektoren und Klingel, aber auch ein Rücklicht und zwei unabhängig voneinander funktionierende Bremssysteme.

Interessant ist auch, dass sich die E-Scooter leicht auf dem Gehsteig völlig legal fahren lassen. Voraussetzung dafür ist, dass der Motor abgeschalten ist. In diesem Zustand ist der E-Roller nämlich lediglich ein “rollerähnliches Spielzeug” aus Sicht des Gesetzgeber.

Neue Konkurrenz schon in den Startlöchern

Sechs Unternehmen streiten bereits mit über 5.000 E-Scootern um den Wiener Markt. Dennoch stellt dies für andere Firmen keinen Grund dar, vor einem Einstieg in das Wiener Geschäft zurückzuschrecken. Dabei handelt es sich um das österreichische Jungunternehmen AMV Networks mit dem Dienst Arolla und den schwedischen Anbieter Voi. Besonders Arolla wird als zukünftige Konkurrenz in Wien eingestuft.

Ein neues Bezahlmodell mit Arolla? 

Arolla ist bereits in Linz und Wels aktiv und plant bereits seit Längerem die Expansion nach Wien. Der Anbieter verfolgt dabei eine völlig andere Strategie. Derzeit können die Roller von Arolla kostenlos in Wels und Linz benutzt werden. Sie sind dort der Firma zufolge gerade in der Testphase. Ähnlich soll es in Wien ablaufen. Nach erfolgreichem Abschluß der Testphase plant die Firma, ihren Kunden mithilfe von Partnerunternehmen weiterhin kostenloses Fahren zu ermöglichen.

Konkret sollen beim Nutzen der Partnerfirmen kostenlose Punkte ausgegeben werden, die dann für das Fahren mit den E-Scootern dienen. So könnte der Markt, der derzeit auf 0,15 Euro pro Minute und einem Euros zusätzlich pro Fahrt beruht, durchaus aufgemischt werden. Derzeit hat die Firma drei Partner, darunter den Energieversorger Wels Strom (EWW). Möchte man in Wels oder zukünftig in Wien kostenlos mit dem E-Scooter fahren, kann sich Stromanbieter wechseln durchaus lohnen. Aber auch die Recruiting-Agentur ePunkt und die Tabakfabrik Linz sind Teil der Kooperation. Hier zeigt sich, dass es von Seiten größerer Unternehmen durchaus Potenzial gibt, in Projekte im Bereich Nachhaltigkeit zu investieren.

Bild: Unsplash

Mangelhafte Qualität der Roller?

In Untersuchungen der Stadt Louisville (USA) zeigte sich, dass die E-Scooter tatsächlich oft nur wenige Wochen hielten. Im Test waren die beiden E-Scooter-Unternehmen Lime und Bird. Das berichtete der Technologie-Blog "Overshare". Im Schnitt hielten die Scooter nur 28 Tage lang. Der Median lag dabei bei gerade einmal 23 Tagen.

Die Gründe dafür sind relativ offensichtlich. Bird nutzt beispielsweise den Xiaomi M365 Scooter. Er ist für die Anforderungen eines kommerziellen Vermietservices nicht ausgelegt. Es gibt keine Möglichkeit zu kontrollieren, ob das Maximalgewicht eingehalten wird. Holprige Straßen (z.B. im 1. Bezirk) und steile Strecken sind eigentlich nicht vom Hersteller zur Nutzung vorgesehen. Gerade deshalb kam es in Wien bereits zu Unfällen als Folge von Verschleiß und Versagen der Scooter beim Fahren.

Hier stellt sich zudem die Frage, inwieweit die Nutzung von E-Scootern tatsächlich als umweltfreundlich bezeichnet werden kann. Müssen E-Scooter tatsächlich einmal im Monat ausgetauscht werden, so müssen jährlich viele Tausend E-Scooter alleine in unser Hauptstadt verschrottet werden. Schließlich muss auch die Entsorgung von E-Scootern in Betracht gezogen werden, wenn man den ökologischen Fußabdruck genau bewerten will.

Fazit

Für Touristen und Menschen, die schnell und mit Nachhaltigkeit kleine Distanzen in Wien überwinden möchten, lohnt sich der E-Scooter durchaus. Geht man zum Beispiel von einer zehnminütigen Fahrt aus, muss man dafür schon 2,50 Euro bezahlen. Das ist in der Tat nicht gerade billig, kann aber für die schnelle Fortbewegung innerhalb der Innenstadt für viele Verbraucher Sinn machen. Die mit 1. Juni 2019 neu in Kraft tretenden Regeln für die Nutzung von E-Scootern haben relativ wenig große Veränderungen. Beachtenswert ist vor allem, dass der Scooter nur mit abgestelltem Motor auf dem Gehsteig gefahren werden darf. Gesamt gelten für die E-Scooter praktisch die gleichen Regel wie für das Fahrradfahren.

Wie sich die neue entstandene Branche rund um die E-Scooter entwickeln wird, bleibt absehbar. In Wels, Linz und in der Zukunft Wien könnte sich ein Stromwechsel zu EWW und anderen Partnern vielleicht schon bald lohnen, wenn man es auf die kostenlose Nutzung des Arolla E-Scooter abgesehen hat. E-Mobilität und Stromkosten sind angesichts eines Minutenpreis von 0,15 Euros derzeit aber ebenfalls nicht zu unterschätzen. Langfristig hängt die Zukunft der E-Scooter in Wien aber vor allem von der Langlebigkeit der Roller und der rechtlichen Perspektive ab. Mit einer Maximalbegrenzung von 1.500 E-Scootern pro Firma sind bereits erste legale Einschränkungen der noch jungen Branche in Wien vollzogen worden.

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