Die neue Generation an Stromzählern: Smart Meter

Die Umstellung auf das Smart Meter

Das jährliche Abrechnen des Stromzählers ist für Viele lästig und altbekannt. Effizienter und unkomplizierter soll das mit einer neuen Generation an Stromzählern funktionieren. Die Smart Meter, der Begriff für ein neues Gerät, dass mehr Transparenz und Übersicht liefern soll, wird deshalb schon bald an Millionen Haushalte geliefert. Doch was steckt hinter den Slogans rund um die Umstellung bei der Strommessung? Welche Vorteile und Nachteile hat der Konsument wirklich? Welche Aspekte der neuen, digitalen Zähler sind unter Umständen kritisch?

Lukas Staindl

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Lukas Staindl

Das Smart Meter - Schon bald Standard in Österreichs Haushalten?

Tatsächlich ist eine flächendeckende Umstellung auf das Smart Meter geplant. Denn schon 2020 sollen nach einer EU-Verordnung 80 Prozent aller Haushalte der Republik den intelligenten Stromzähler verwenden. 2022 sieht der österreichische Staat vor, mindestens 95 Prozent aller Haushalte mit Smart Metern ausgestattet zu haben. Weshalb ist die Umstellung für die Europäische Union und den österreichischen Staat so wichtig? 

Das Smart Meter eignet sich aus der Sicht des Netzbetreibers sehr viel besser für die Anforderungen der Gegenwart als der Ferraris-Zähler. Bei ihm wird der Stromverbrauch viertelstündlich gemessen und ein Mal täglich an den Betreiber geschickt. Der kann dadurch genau analysieren, wann der Verbrauch wie hoch ist. Das schafft flächendeckend eine bessere Übersicht, welche Volumen tatsächlich benötigt werden. Dadurch kann der Netzbetreiber leichter Spitzenzeiten im Voraus prognostizieren und insgesamt besser kalkulieren. 

Vor allem ist das angesichts des Ausbaus erneuerbarer Energien wichtig. Schwankungen treten naturbedingt bei Wind-, Wasser- und Solarkraft wesentlich häufiger auf, als zum Beispiel bei Gaskraftwerken. Durch die bessere Analyse des Stromverbrauchs in Österreich können sich Stromerzeuger besser auf Spitzenzeiten einstellen. Beispielsweise kann das durch gezielt einsatzbereite Speicherkraftwerke umgesetzt werden.

Viel Information - Weniger Privatsphäre für den Konsumenten?

Kritiker der Smart Meter betrachten die Umstellung auf Smart Meter oftmals als Einschneidung der Privatsphäre. Welche Daten erhält der Netzbetreiber aber tatsächlich? Daten über den Stromverbrauch des Haushalts werden nur einmal täglich gesendet. Ähnlich wie bei Stromverträgen in der Privatwirtschaft erhält der Netzbetreiber jetzt allerdings genauere Auskunft. Der Stromverbrauch wird in 15 Minuten-Intervallen festgehalten. Dadurch kann der Betreiber zum Beispiel Intervalle mit Spitzenbedarf genauer festhalten. Dadurch hat der Netzbetreiber eine bessere Einsicht, aber gleichzeitig natürlich keine Informationen über verwendete Geräte oder Ähnliches. Die tägliche Herausgabe des Stromverbrauchs in Viertelstunden-Intervallen sagt nichts über die konkrete Verwendung des Stroms aus und dient wie vorhin erwähnt primär der besseren Erfassung des Stromverbrauchs in Österreich.

Gesundheitliche Auswirkungen - Wie viel Substanz haben Elektrosmog-Vorwürfe?

Kritiker des Ausbaus der Smart Meter setzen bereits seit Jahren auf den Vorwurf der Gesundheitsgefahr. Insbesondere die Behauptung, dass die neuen, intelligenten Zähler Kopfschmerzen, Schlafprobleme und andere Beschwerden auslösen können. Ist diese Sorge jedoch tatsächlich gerechtfertigt? Tatsache ist, dass die derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnisse das genaue Gegenteil zeigen. Die ÖNORM E 8850 gibt in Österreich Grenzwerte vor, die mit den Grenzwerten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) übereinstimmen. Dass das Smart Meter diese nicht überschreitet, zeigen mehrere Studien zu einer möglichen Beeinträchtigung der Gesundheit durch Signale der Datenübertragung via Stromnetz. Nach derzeitigen Ergebnissen von Studien liegen die Elektrosignale des Smart Meters weit unter den Grenzwerten, die eine tatsächliche Gesundheitsgefahr bedeuten könnten. Selbst wenn das Smart Meters demnach im Schlafzimmer platziert werden würde, bestünde keine Gefahr.

Ist die Umstellung auf Smart Meter verpflichtend?

Die Antwort lautet ganz klar JA. Die Umstellung auf das Smart Meter ist verpflichtend. Dennoch gibt es Wege, den Zähler in seinen Funktionen einzuschränken. Auf Wunsch kann der Smart Meter den Stromverbrauch nicht mehr in 15-Minuten Intervallen aufzeichnen und täglich abschicken, sondern nur noch ein Mal pro Tag festhalten und pro Jahr einmal an den Netzbetreiber schicken. Die “Verdummung” des Smart Meters wird jedoch in der Praxis weit seltener angewandt, als sich manche Kritiker offensichtlich erwarteten. Vorgesehen sind eine “Opt-Out”-Rate von maximal 5 Prozent. Tatsächlich bewegt sich die Zahl an Haushalten, die eine Einschränkung der Smart Meters (“Opt-Out”) beantragen, gerade einmal bei etwa 1-2 Prozent.

Informationen über den eigenen Haushalt - Welche Daten liefert das Smart Meter?

Der Netzbetreiber erhält lediglich Informationen über den Stromverbrauch in 15-Minuten Intervallen einmal täglich zugesendet. Der Kunde schafft sich durch den Smart Meter Zugriff auf viele Fakten, Statistiken und Vergleichsmöglichkeiten über den eigenen Verbrauch. Einsicht gewährt hier eine Datenschnittstelle mit dem Netzbetreiber, zumeist ist die via Handy-App erreichbar. Hier hat man eine Übersicht über verschiedenste Daten, zum Beispiel über den Verbrauch der verschiedenen Geräte. So kann man beispielsweise bisher unerkannte Stromfresser leicht entlarven und sie durch effizientere Modelle ersetzen - ganz ohne den Einsatz von Hilfsmitteln wie Multimetern. Gleichzeitig kann man natürlich auch selbst auf den Stromverbrauch der letzten Tage, der in 15-Minuten-Intervallen aufgezeichnet wurde, einsehen. Außerdem kann der intelligente Zähler als Kommunikationsschnittstelle für Haushaltsgeräte und andere Zähler dienen.

Erzeugt man selbst Strom, etwa durch die eigene Solaranlage am Dach - Photovoltaik oder Solaranlage - , kann man ebenfalls von der intelligenten Technologie des Smart Meters profitieren. Schleust der Besitzer Strom ins Netz ein, zeichnet der Zähler den Stromexport auf. Hier kann man als Photovoltaikbetreiber in der Regel über die Apps der Netzbetreiber genaue Auflistungen über Stromexport und Vergütung erhalten. Umgekehrt kann natürlich auch der Strom-Import aus dem Netz aufgerufen werden. Das garantiert maximale Transparenz und unkomplizierte Übersicht für Haushalte mit Photovoltaikanlagen.

Stromersparnis und Kosten für den Einbau - Eine volkswirtschaftlich sinnvolle Option?

Die Kosten für den Einbau des Smart Meters und das Abmontieren des vorherigen Ferraris-Zählers werden aus dem Entgelt für Messleistungen bezahlt. Der circa 28 (in Wien ungefähr 26) Euro hohe Betrag wird jährlich pauschal von Stromkunden verlangt. Vor wenigen Jahren kostete ein einziges Modell 100 Euro, mittlerweile kostet der Smart Meter bereits weniger als 50 Euro pro Stück. Die Kosten sind angesichts einer flächendeckenden Umstellung dennoch nicht gering. Alleine für die Landeshauptstadt Wien werden 230 Millionen Euro einkalkuliert. Wie hoch sich die Gesamtkosten letztendlich belaufen werden, hängt von mehreren Faktoren ab, primär aber von den Vertragsbedingungen der Republik Österreich mit den Zählerherstellern. Für den Privathaushalt kostet die Umstellung demnach nichts, sofern bereits zuvor ein Zähler vorhanden war. Der Nutzer selbst kann hingegen durch die Umstellung sehr gut feststellen, welche Geräte überdurchschnittlich viel Strom kosten und die eigene Stromrechnung so optimieren.

Vor- und Nachteile des Smart Meters im Überblick

Vorteile

  • Langfristiger volkswirtschaftlicher Nutzen, weil so der tatsächliche Stromverbrauch im 15-Minuten-Takt landesweit erfasst werden kann
  • Detaillierte Übersicht über den Stromverbrauch, Informationen über den Stromverbrauch einzelner Geräte und “Stromfresser” im Haushalt
  • Besitzer von Photovoltaikanlagen, die ihren Strom ins Betreibernetz schleusen möchten, erhalten dank Smart Meter genaue Informationen über den Strom-Export
  • Die jährliche Stromzählung als Hausbesuch fällt weg

Nachteile

  • Die Umstellung auf Smart Meter stellt eine einmalige große Ausgabe für den Staat dar
  • Das Smart Meter ist Pflicht, für die Einschränkung seiner Funktionalität muss eine Beantragung als Formular verschickt werden

Fazit

Das Smart Meter ist eine Neuerung, die nach derzeitigem Wissensstand sowohl für private Verbraucher, als auch für Industrie und Netzbetreiber weit mehr Vor- als Nachteile bietet. Insbesondere angesichts der wachsenden, regenerativen Stromerzeugung und Privathaushalten, die selbsterzeugten Strom ins Netz schleusen, ist das Smart Meter als exakter und digitaler Stromzähler ein Schritt in die richtige Richtung. Durch die angebotenen Datenschnittstellen via App steht dem Verbraucher eine noch nie dagewesene Übersicht über den eigenen Stromverbrauch zur Verfügung. Weil der Stromlieferant lediglich den durchschnittlichen Verbrauch in 15-Minuten-Intervallen einmal täglich erhält, gibt es für Konsumenten gleichzeitig keinen Grund, sich über mangelnden Datenschutz Sorgen zu machen.

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