Ist Österreich die Numero Uno?

Das Land Österreich wird gerne mit Ökologie und besonders nachhaltigem Wirtschaften in Verbindung gebracht - hohe Umweltauflagen, ausgedehnte Naturschutzgebiete wie der Nationalpark Donau-Auen sind nur einige Beispiele, die die Alpenrepublik umweltfreundlicher und nachhaltiger machen. Kann sich Österreich aber in Sachen Ökostrom wirklich als Nummer Eins bezeichnen? Der Markt entwickelt sich immerhin rasend schnell, nicht nur Österreich spielt gerne mit den grünen “Öko-Muskeln”. Geht sich für die Alpenrepublik beim Ökostrom im europaweiten und internationalen Vergleich die Bestplatzierung aus?

Starke Platzierung dank Wasserkraft

Hand aufs Herz: Österreich ist nicht nur dank seines guten Willens und ökologischen Gewissens eine so nachhaltige und umweltfreundliche Nation geworden. Die Natur hat uns schließlich beste Voraussetzungen gegeben, auf Kohle oder Atomkraftwerke verzichten zu können. Das ist primär die Wasserkraft. Zwei Drittel des Landes sind schließlich Gebirgszone, die zahlreich daraus resultierenden Flüsse und Gewässer konnten in Form von kleinen, mittelgroßen und großen Wasserkraftanlagen genutzt werden.

Konkret deckt Österreich circa zwei Drittel seiner Stromproduktion aus der Wasserkraft. Das ist bei einer Erzeugung von ungefähr 65.000 GWh (2015) pro Jahr ein bedeutender Wert. Prozentuell gehört Österreich dank der Wasserkraft zu einer kleinen Gruppe an Ländern, die ihren eigenen Strombedarf primär aus erneuerbaren Quellen decken können. Das bestätigt sich auch EU-weit: Dank mehr als 800 Wasserkraftwerken schafft es Österreich, seine Stromversorgung zu einem großen Teil regenerativ erzeugen zu können. Reicht die Wasserkraft und andere erneuerbare Energieträger in der Donaurepublik jedoch aus, um wirklich jedes andere EU-Land punkto Ökostrom in den Schatten zu stellen?

Sind Windenergie, Photovoltaik und Geothermie trotz Wasserkraft interessant?

Die von Herr und Frau Österreicher oft skeptisch beäugten Windräder und -parks, beispielsweise nahe Schwechat bei Wien, stellen nicht den zweiten Platz  der Stromerzeuger in Österreich da. Es sind Wärmekraftwerke, die mit einem Anteil von 22 Prozent eines der Herzstücke der österreichischen Stromversorgung darstellen. Sie basieren immer öfter auf Hackschnitzeln, Holz, natürlich aber auch zu einem signifikanten Teil auf fossilen Brennstoffen. Besonders bei Spitzenbelastungen sind sie bis jetzt noch unabdingbar.

Der nachhaltige und gleichzeitig nicht nachhaltige zweite Platz, die Wärmekraftwerke, machen den dritten Platz umso spannender. Schließlich werden Wärmekraftwerke mit unterschiedlichen Rohstoffen betrieben. Ein Teil der Wärmekraftwerke wird mit Kohle oder Öl betrieben. Ein steigender Anteil dabei wird mit Biomasse, zum Beispiel mit den besonders populären Hackschnitzeln betrieben. Die Windkraft belegt den dritten Platz in der Tabelle der Energieerzeuger. Sie macht etwa 8,5 Prozent der gesamten österreichischen Stromerzeugung aus. Das ist interessant, liegt der EU-weite Schnitt doch bei 11,4 Prozent. Das kann sich die Alpenrepublik als umweltfreundliche Nation jedoch dank der starken Wasserkraft problemlos leisten.

Kann Österreich seinen Strombedarf selbst decken?

Die Antwort ist hier leider nein. Denn Österreich schafft es besonders in den Wintermonaten ohne Importe nicht, dem eigenen Strombedarf hinterherzukommen. Das zeigte sich etwa in den strengen Wintertagen Anfang 2017, in denen massiv Strom aus Tschechien und Ungarn hinzugekauft werden musste. Es sind Spitzenbelastungen, die für die österreichische Energieversorgung ohne zusätzliche Importe zum Problem werden würden. Welche Mitteln stehen Stromerzeugern an Tagen mit Höchstverbrauch zur Verfügung? Primär sind das Wärmekraftwerke, die bei Bedarf eingeschalten werden, ein Teil der Kraftwerke kann kurzfristig auch stark die Leistung steigern. Dennoch muss an einigen Tagen im Jahr der Stromverbrauch durch Importe aus Ungarn und Tschechien gedeckt werden. Das ist besonders deshalb kritisch, weil etwa Ungarn und Tschechien selbst nicht immer genügend Strom für einen Export ins Ausland zur Verfügung hat. Neugierig, wie viel Strom Sie verbrauchen? Probieren Sie's doch gleich mal aus: Energieverbrauchsrechner.

Bis 2030 wird der Stromverbrauch um etwa 8 Prozent in Österreich ansteigen. Der E-Control Vorstand Andreas Eigenbauer warnt dabei, dass spätestens ab 2030 keine sichere Stromversorgung mehr in Österreich garantiert werden kann, sollten keine neuen Wärmekraftwerke gebaut werden.

Schafft man mit dem Ausbau des Ökostroms unsichere Energieerzeugung?

Dass Ökostrom, besonders Wind- und Solarkraft, unsichere Stromlieferanten sind, wird der erneuerbaren Energiebranche gerne vorgeworfen. Das sagte etwa auch der E-Control Vorstand Andreas Eigenbauer: “Wir tauschen zunehmend sichere Kraftwerkskapazitäten in unsichere Ressourcen, zum Beispiel Windräder.” Tatsächlich ist Österreich allerdings besonders aufgrund der gebirgigen Landschaft ein guter Ort für Pumpspeicherkraftwerke. Sie sind besonders dafür vorgesehen, um kurzfristig durch das angestaute Wasser viel Strom zu erzeugen. Weil jedoch schon zahllose Wasserkraftwerke in Österreich stehen und Umweltauflagen den Neubau von Wasserkraftwerken stark limitieren ist es unwahrscheinlich, dass Österreich den Stromanstieg alleine durch Wasserkraft decken kann.

Die Lösung hierfür könnte Biomasse sein. Die Alpenrepublik ist zu 48 Prozent mit Wald bedeckt, gleichzeitig wachsen mehr Bäume nach, als gerodet werden. Baut und nutzt man neue Wärmekraftwerke, die auf Basis von Biomasse - Holz, Holzschnitzel oder Erdwärme funktionieren. Dadurch schafft man massive Leistungsträger, die gleichzeitig umweltfreundlich und nachhaltig orientiert sind.

Biogasanlage auf grüner Wiese

Fazit - Schaffen wir den Platz Eins beim Ökostrom?

Der ehemalige Kanzler Werner Faymann erläuterte bei der Klimakonferenz in Paris, dass Österreich ab 2030 zu 100 Prozent mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen versorgt werden soll. Das selbstgesteckte Ziel des damaligen Kanzlers scheint in weite Ferne gerückt zu sein, schließlich ist die Republik erst “nur” zu zwei Dritteln mit Strom aus erneuerbarer Erzeugung versorgt. In Österreich ist der Klimaschutz derzeit nur selten auf der politischen Agenda regierender Parteien, noch seltener wird das Thema derzeit öffentlich debattiert. Sollten wir den Wunsch nach Ökostrom erst einmal auf die Seite schieben und auf bessere Tage hoffen?

Der Gedanken könnte unpassender nicht sein. Denn anders als in vielen anderen Ländern ermöglicht das österreichische Steuer- und Fördersystem die konstante Förderung von nachhaltiger Stromerzeugung. Das ist gesetzlich verankert, hängt damit nicht unmittelbar vom politischen Wohlwollen der derzeitigen Regierung ab. Finanziert wird das etwa durch die Ökostrompauschale und den Ökostromförderbeitrag. Das Geld fließt in die Erhaltung und den Ausbau des Ökostroms in Österreich. Tatsächlich sind die Beträge eher klein. Die Ökostrompauschale beträgt etwa 30 Euro pro Jahr. Ab einem Jahresverbrauch von mehr als 1100 kWh verrechnet der Gesetzgeber den Ökostrombeitrag. Der durchschnittliche Haushalt hat dadurch Kosten von etwa 49 Euro Ökostrombeitrag und 30 Euro Ökostrompauschale pro Jahr.

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