Photovoltaik und Solaranlagen

Die eigene Anlage für den Privathaushalt - Machen Photovoltaik und Solaranlagen wirtschaftlich Sinn?

Umweltfreundlich, autark und effizient: Strom durch Sonneneinstrahlung am eigenen Dach erzeugen, wurde nach dem Jahr 2000 stark angepriesen und von vielen europäischen Haushalten in die Tat umgesetzt. Mit den Einschnitten bzgl. der Förderung der Solarbranche im deutschsprachigen Raum ab 2013 wurde die euphorische Stimmung sichtbar gedämpft. Trotzdem wird die Installation von Solaranlagen auf Privathäusern nach wie vor unterstützt. Nicht wenige Hausbauer entscheiden sich weiterhin für Solarthermie oder Photovoltaik am eigenen Dach, auch aufgrund der Fortschritte in der Technologieentwicklung.

Handelt es sich hier um einen ökologischen Gewinn bei gleichzeitigem Verlustgeschäft für den Käufer oder erspart sich der Betreiber tatsächlich Zeit und Geld? Die junge Solarbranche verändert sich schnell und bringt kontinuierlich neue Ergebnisse in der Forschung und Verbesserung der Effizienz und Kostenpunkt der Solarmodule. Gleichzeitig richtet sich auch der Staat Österreich durch neue Förderungen auf die sich verändernde Situation bei Solar- und Photovoltaikbranche ein.

Lukas Staindl

Ein Beitrag von
Lukas Staindl

Wie lohnenswert ist die eigene Photovoltaikanlage?

Pro kWh zahlt man beim Landesversorger in Österreich ungefähr 23 Cent. Bei einem Durchschnittsverbrauch von etwa 4.000 kWh macht das schnell mehr als 1.000 Euro bei einem Vertrag mit dem Landesversorger per anno aus. Trotz starker Wasserkraft ist dies nicht ausschließlich Strom aus regenerativen Energiequellen. Möchte man auf Ökostrom setzen, zahlt man hier noch mindestens einige hundert Euro mehr pro Jahr. Setzt man also auf eine Solaranlage mit 6 kWp in sonniger Lage bei sehr guten Bedingungen, schafft man 7.200 kWh Strom pro Jahr - mehr als genug, um selbst starken Verbrauch bei einem Vier-Personen-Haushalt zu decken. Das kostet in der Anschaffung etwa 12.000 Euro. Innerhalb von weniger als 12 Jahren sind die Kosten also wieder neutralisiert. Bei einer durchschnittlichen Lebensdauer von 20 bis 40 Jahren kann man durch eine moderne Solaranlage langfristig große Summen an Geld sparen.

Kalkulation der Stromerzeugung und Anschaffungskosten

Die Kosten für die Anschaffung einer Solaranlage werden grob auf 2.000 Euro per kWp gerechnet. Dabei steht kWp für Kilowatt Peak, demnach die Leistung von einem Kilowatt bei idealen Bedingungen. Wie viel Leistung benötigt man dann aber, um nicht nur bei besten Wetterkonditionen genügend Strom für den Eigenverbrauch produzieren zu können? Etwa 800 bis 1.200 kWh können pro kWp im Jahr produziert werden. Der durchschnittliche Vier-Personen-Haushalt hat einen Jahresverbrauch von circa 4.000 kWh. Wie viel Strom Ihr Haushalt verbraucht, können Sie ganz einfach mit dem Energieverbrauchsrechner herausfinden. Mit 5 kWp könnte man demnach bereits besagten Haushalt versorgen - bei optimalen Bedingungen. Experten empfehlen jedoch, mindestens 6 kWp Leistung für die eigene Solaranlage anzustreben. Sonst kann es bei suboptimaler Witterung und Ausnutzung der Sonnenenergie zu wenig Ersparnis kommen, zusätzlich muss Strom vom Netzanbieter verwendet werden.

Bei einer Größe der Solarmodule von 35 bis 40 Quadratmeter und mehr ist das bei einem durchschnittlichen Haushalt sehr unwahrscheinlich. Eine Solarenergieerzeugung von 10 kWp kann mit einer Solarfläche von ungefähr 65 Quadratmetern erzeugt werden und schafft mehr als 8.000 bis 12.000 kWh - Genügend Strom für den Haushalt einer Großfamilie. Nicht vergessen werden sollte dabei, dass es sich hier um Durchschnittswerte handelt.

Wichtig ist es deshalb, sich persönliche Fragen zu stellen. Wo kann meine Solaranlage aufgestellt werden? Wie sonnig ist mein Standort, kann ich eine optimale Schräge von 30 bis 33 Grad (Dachneigung) ausnutzen? Die jährlichen Sonnenstunden der Region zu wissen, ist hier von Vorteil. Kann ich meine geplante Solaranlage nach Süden ausrichten und so das Maximum an Sonneneinstrahlung nutzen? Die verfügbare Fläche macht einen wichtigen Faktor bei der Kostenberechnung aus. Je mehr Platz, desto weniger effizient und damit günstiger können die Panelen arbeiten. Hat man zum Beispiel als Gutshofbesitzer viel Platz, ist die Anschaffung einer großen Solaranlage auf den kWp gerechnet günstiger.

Solarstromspeicher und Verkauf des Solarstroms

Die sofortige Eigennutzung ist nicht die einzige Verwendungsmöglichkeit für den selbsterzeugten Ökostrom. Er kann zum Beispiel wieder ins Netz eingespeist werden. Das kann in der Regel aber nur über einen Netzbetreiber ablaufen, bei dem man selbst Kunde ist. Strebt man die Speisung ins Netz ein, sollte man jedoch über einen kontinuierlichen Überschuss an Strom verfügen, verlangt die Anmeldung als privater Stromerzeuger schließlich einigen bürokratischen Aufwand. Je nach Vertrag kann man den Strom zumeist um etwa 7-8 Cent pro kWh verkaufen. Ob sich die finanzielle Vergütung lohnt, muss individuell beurteilt werden. Eine andere Option ist, durch einen Solarstromspeicher überschüssigen Strom zu speichern und bei geringer Sonneneinstrahlung zu verwenden. Mit der zusätzlichen Anschaffung kommt man mit weniger kWp aus, zahlt jedoch für den Speicher einmalig zwischen 2.000 und 6.000 Euro.

Durch die Photovoltaikanlage das eigene E-Auto aufladen - Eine gute Idee?

Stromüberschüsse werden in der Regel nur zu unterdurchschnittlichen Preisen von Privathaushalten wieder ins Netz gespeist, der bürokratische Aufwand dafür ist ebenfalls vergleichsweise hoch. Viele Solaranlagenbesitzer entscheiden sich deshalb für die Anschaffung eines E-Autos, das mit dem überschüssigen Strom betrieben wird. Dank Wallbox - einer Ladestation, die durch erhöhte Ladegeschwindigkeit und besserer Steuerung für den E-Auto-Besitzer vorteilhaft ist - kann man vergleichsweise schnell den Akku des Fahrzeugs aufladen und spart zusätzlich Monat für Monat Benzinkosten. Dank neuer Förderpakete für die E-Mobilität in Österreich kann man bei der Anschaffung des eigenen E- Autos zusätzlich je nach Region bis zu 4.000-6.000 Euro sparen.

Laufende Kosten und Aufwände für die eigene Solaranlage

Wiederkehrende Kosten und notwendige Arbeit sind wohl einer der Wermutstropfen im Kelch der Energiewende. Tatsächlich wurden sie in die oben angeführten Kalkulationen nicht integriert - zu unterschiedlich sind die tatsächlichen Kosten und Arbeitsstunden je nach Modell, die in die eigene Anlage investiert werden müssen. Im statistischen Mittel kosten die Anlagen pro Jahr etwa 1 Prozent der Anschaffungskoste bei neuen Anlagen ist das durch die technologische Reifung jedoch zumeist geringer. Trotzdem muss beispielsweise zumindest alle paar Jahre eine professionelle Reinigung der Solarflächen durchgeführt werden. Das kostet zwar “nur” 2,50 Euro pro Quadratmeter, kann sich bei großen Anlagen aber summieren. Wird die Anlage während einer Trockenperiode verunreinigt, sollte man die Oberfläche zwecks Leistungsoptimierung selbst grob reinigen. Bei der Witterung Mitteleuropas reicht es jedoch normalerweise, auf den nächsten kräftigen Regenschauer zu warten. Gegen Hagel und andere Gefahren kann die Solaranlage versichert werden - hier hängen die zu begleichenden monatlichen Summen stark vom Anbieter und den gegebenen Konditionen ab.

Frau mit Laptop in der Wiese bei Sonnenschein
Sonnenuntergang an einem See mit Berglandschaft

Fazit über die Wirtschaftlichkeit der eigenen Solaranlage

Der Traum von der eigenen Solaranlage - er macht wirtschaftlich häufig absolut Sinn. Besonders bei günstiger Lage und Witterung handelt es sich bei der eigenen Photovoltaikanlage um eine langfristig orientierte Investition, die unabhängig von Netzanbietern macht und Geld spart. In Österreich und Deutschland werden Neuinstallationen stark gefördert - oftmals kann man sich als Käufer so tausende Euros durch den Staat wieder zurückholen. Optional kann zusätzlich die Kraft der Sonne auch für das eigene E-Auto genutzt werden, was wiederum monatliche Fixkosten einspart, Förderungen beim Kauf ermöglicht und positive Auswirkungen auf unsere Umwelt hat. Dass eine Solaranlage für das Eigenheim gewinnbringend sein kann, ist wahrscheinlich. Eigenrecherche oder ein Gespräch mit einem Energieexperten verschaffen Sicherheit und einen genauen Überblick.

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