Werfenweng - Die nachhaltigste Tourismusdestination weltweit!

Lukas Staindl

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Lukas Staindl

Im Sommer Wandern und Bergsteigen gehen, im Winter auf den Bergen Ski fahren - Damit verbindet man den typischen Österreich-Urlaub westlich von Wien. Werfenweng als Skiresort schafft es jedoch, eine bisher unbekannte Kombination im heimischen Tourismus hervorzubringen - traditionelle Ski- und Alpenromantik bei gleichzeitig moderner Nachhaltigkeit auf höchstem Niveau. Abenteuer, Umweltfreundlichkeit und Gästeservice gehen dabei Hand in Hand. Um die wohl nachhaltigste Touristendestination überhaupt wirklich zu verstehen, muss man dafür schon genauer hinschauen.

Doch was macht einen Urlaub in Werfenweng so besonders? Und was genau hat es mit dem Konzept von softer Mobilität und Alpine Pearls auf sich? 

Vom klassischen Tourismusort zu einem der bemerkenswertesten Destinationen Österreichs

Bis in die Mitte der 90er-Jahre war Werfenweng ein beliebter, aber nicht unbedingt außergewöhnlicher Skiort. Im Sommer sanfter Wandertourismus, im Winter boomte das Skigebiet. Gerade beim Blick über die Landesgrenzen fing der Bürgermeister des Orts an, Inspiration an Schweizer Skiorten wie Zermatt und Saas Fee zu finden. Schnell wurde die Idee manifestiert, den Autoverkehr im Ort durch Gegenmaßnahmen zu reduzieren. Die Bürger von Werfenweng unterstützten das von Tag Eins an. Weniger Lärm, Verschmutzung und mehr Straßen-sicherheit sprachen schließlich für sich. Mit der Installation von Solaranlagen und E-Mobilität im Ort, die zum Ausleihen angeboten wurden wurde die Grundstein für das spätere Konzept der umweltfreundlichen “soft mobility” gesetzt.

 

Die SaMo-Karte: Das Konzept der "soften" Mobilität

Wenige Jahre nach den ersten E-Autos präsentierte sich Werfenweng mit einem völlig neuen Mobilitätskonzept: Der SaMo-Karte. Sie ist für Touristen für einen Preis von gerade einmal 10 Euro erhältlich und bietet ein umfassendes Mobilitätsangebot für den Ort. Das beinhaltet primär E-Autos, die kostenlos ausgeliehen werden können. Das sind derzeit die BMW i3 mit einer Reichweite von mindestens 170 Kilometern und 4 Sitzen. Gleichzeitig gibt es jedoch noch zusätzlich zahlreiche Shuttle-Services, die die Gäste vom Bahnhof ins Hotel, zum Skiresort oder zu anderen Touristendestinationen bringen können.

Besonders im Sommer werden jedoch gerne E-Fahrräder ausgeliehen, die man ebenfalls kostenlos durch die SaMo-Karte erhält. Der Fahrer kann individuell einstellen, wie stark er durch den E-Motor unterstützt werden möchte. So können Bergtouren und längere Strecken auch von älteren Personen genossen werden. Die Batterie hält dabei weit länger, als für die Radstrecken der Region nötig wäre. Für die richtige Portion “Gaudi” gibt es dann noch Spaß-Fahrzeuge wie überdachte Fahrräder und andere amüsante und unterhaltsame Variationen an Vehikeln.

Die Gemeinde gründete 2006 das Netzwerk “Alpine Pearls”, das verschiedene Orte in Österreich, der Schweiz, Italien, Slowenien, Frankreich und Deutschland verbindet, die sich umweltfreundliche Mobilität und grünen Tourismus zum Ziel genommen haben. Somit ist Werfenweng natürlich nicht die einzige Gemeinde, die E-Autos und Elektroräder anbietet. Dennoch schuf sie mit der SaMo-Karte ein bisher nicht dupliziertes Projekt, dass den Ort wohl zur umweltfreundlichsten Gemeinde überhaupt macht. “Wir liegen sehr verkehrsgünstig. Nicht nur mit dem Auto, sondern auch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln.”, räumt der Bürgermeister Dr. Peter Brandauer ein. Gemeint ist hier besonders die Bahn, denn Werfenweng liegt nicht besonders weit von der Stadt Salzburg weg.

Familien und Paare - Die wohl perfekte Zielgruppe für ökologischen Urlaub

Werfenweng schafft es, durch geschickte Präsentation und Vermarktung immer wieder Fördergelder für umweltfreundlichen Tourismus zu erhalten. Dennoch ist die Gemeinde kein abstraktes Kunstprojekt, das vom Gutwillen des Staats angewiesen ist. Denn Werfenweng vermarktet sich touristisch so, dass das Gesamtpaket genau bei der richtigen Zielgruppe ankommt. Das sind insbesondere Paare und junge Familien mit Kindern. Hier wird wenig Verkehr geschätzt. Wander- und Radwege, Bergbahnen und die Möglichkeit, zahlreiche Sportarten auszuprobieren, schaffen ein Angebot, das zum wiederkommen einlädt. Kinder können sich beim Wandern, Radfahren, Bogenschießen und im Freizeitpark der Region austoben. Für Feinspitze gibt es Bauernläden und Nah&Frisch-Märkte in der Nähe. Abenteuerlustige können das ganze Jahr über Paragleiten, im Sommer gibt es Kutschenfahrten und zahlreiche andere Freizeitaktivitäten. 

Im Winter ist die Unterhaltung in Werfenweng sowieso durch die schneereichen Berge der Region gegeben. Auf der Piste kann man Skifahren, Snowboarden, aber auch weniger konventionelle Angebote annehmen. So findet man in Werfenweng die Möglichkeit, geführte Winterwanderungen zu unternehmen oder Langlaufen zu gehen. Besonders Paare und kleinere Kinder schätzen die Pferdeschlittenfahrten der Region. Neben klassischem Rodeln gibt es auch den Kid’s Snow Park, in dem sich der Nachwuchs durch zahlreiche Angebote im Schnee vergnügen kann.

Soft Mobility - Ein zukunftsweisendes Konzept?

Sanfte Mobilität”, wie sich das neue Schlagwort wohl am treffendsten ins Deutsche übersetzen lässt, findet bei allen Teilnehmern der Alpine Pearls Foundation starken Anklang unter den Touristen und Einheimischen. Handelt es sich allerdings tatsächlich um ein Konzept mit Zukunft? Sieht man sich die demographische Entwicklung in Mitteleuropa an, fällt auf, dass immer mehr junge Menschen in die urbanen Ballungsräume unseres Kontinents ziehen. Immer mehr Menschen leben in Millionenstädten, während Experten für die ländlichen Regionen weitere Bevölkerungsreduktionen prognostizieren. Besonders der urbane Mittelstand mit Kindern schätzt es jedoch, einmal abseits von Auto und stickiger Luft durchatmen zu können.

Hier hat Soft Mobility Potential - Nicht nur als Trend, der gerade en vogue ist, sondern als langfristig sinnvolle Reiseoption für Paare, Eltern von kleinen Kindern und Menschen, die einmal in Ruhe ausspannen möchten. Nicht umsonst lautet das Motto der Gemeinde “Alle Zeit der Welt”. Je mehr Orte existieren, in denen verstärkt umweltfreundliche und kostengünstige Alternativen zum eigenen Auto angeboten werden, desto mehr Anreiz gibt es auch für andere bekannte Winter- und Sommerurlaubsdestinationen am Land, hier aufzuholen.

Grafik zum Anstieg der internationalen touristischen Ankünfte nach Weltregionen in den Jahren 1950-2016

Gleichzeitig kann auch sanfter Tourismus generell als aufstrebender Tourismuszweig dazu führen, dass sich immer mehr Menschen für Urlaub mit “Soft Mobility” entscheiden. 76 Prozent aller Österreicher fahren zumindest ein Mal im Jahr auf Österreich-Urlaub. Manchmal ist es ein Städtetrip, häufig jedoch gemütliches Ausspannen am Land. Sanfter Tourismus als Anti-Stress Mittel passt perfekt zur Philosophie der Alpine Pearls Stiftung. Statt auf konzentrierte Unterhaltung, Beschleunigung und Massenabfertigung zu setzen, versuchen Orte wie Werfenweng Plätze der Ruhe, Entspannung, Sicherheit und Lebensqualität zu schaffen.

Fazit - Ein kleines, erfolgreiches Projekt mit Wachstumschancen

Zwar liegt der Fokus bei den Alpine Leaders klar auf Qualität statt Quantität. Dennoch hat die von Werfenweng gegründete Stiftung das Potential, weiter zu wachsen und das Konzept der grünen und sanften Mobilität in weitere Tourismusdestinationen zu bringen. Werfenweng hat bereits gezeigt, dass gewinnorientiertes Wirtschaften als Tourismusgemeinde und nachhaltiger Verkehr kein Widerspruch in sich ist. Wird das Projekt daher tatsächlich weiter wachsen? Das liegt vor allem am Geschmack der Touristen aus dem In- und Ausland in Österreich, Italien, Schweiz, Deutschland und Slowenien. Entscheiden sie sich immer öfter für sanften Tourismus und schätzen pauschale Gesamtlösungen für umweltfreundliche Mobilität wie in Werfenweng, wird es zweifellos zahllose neue “Soft Mobility” Orte geben. Je mehr Menschen sich dafür entscheiden, im Urlaub lieber kein Auto verwenden zu wollen, desto stärker werden Werfenweng, Hinterstoder oder andere Alpine Pearls Destinationen boomen. Hält der derzeitige Trend jedenfalls an, werden sich langsam aber sicher mehr und mehr Menschen für sanften Tourismus in ländlichen Regionen interessieren - ein Gewinn für zahlreiche Gebiete Mitteleuropas und ein Mehrgewinn für die einzigartige Landschaft und Umwelt in den Regionen der Alpine Pearls Gemeinden.

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